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Seltene Planzeichnungen zur Festung Rastatt aufgetaucht
Badisches Bollwerk musste der Waffentechnik  Rechnung tragen



Seltener Festungspplan_web


Da war die Freude bei Karl-Josef Fritz und Dieter Wolf von der Vorstandsspitze des Historischen Vereins Rastatt groß, als sich ein Sammler mit der Bot-schaft meldete, er habe den stadtgeschichtlichen Fund zur Jahreswende anzubieten. Nach dem mit Spannung erwarteten Augenschein stellte sich heraus, tatsächlich konnten verschollene und bisher unbekannte Pläne „gefördert“ werden, die manch wertvollen Aspekt beim Blick zurück von Rastatt als „Badens Festungsglück“ eröffnen können.
Die nun wieder zugänglich gemachten kunstvollen Pläne aus den Jahren 1845 bis 1889 liefern einen wichtigen Mosaikstein zu Materialien, die enorm aufschlussreich sind. Sie waren vor etwa 20 Jahren auf einem Flohmarkt im Raum Bühl aufgetaucht und schlummerten bisher im Dunkeln. Das Prachtstück dabei ist ein handkolorierter, großformatiger Plan vom November 1854. Der bietet interessante „Durchschnitte“ zum ehemaligen Fort B der Bundesfestung.
Dieter Wolf gerät ins Schwärmen, wenn er im Pressegespräch die Details der ehemaligen Ludwigsfeste im Bereich des Schlossparks erläutert. Festgehalten sind Schnitte durch die Bastion 26 und 27, das Cavalier 25 und die Contreregarde 28 hinter dem Karlsruher Tor neben der Bismarckstraße. Auch das heute noch erhaltene Karlsruher Tor mit der sechs Meter hohen, längst verschwundenen  Stadtmauer wurde detailliert festgehalten.
Neben dem „Prachtstück“ zur Ludwigsfeste findet sich auch ein kleinerer Plan von 1845 zum Turmreduit des einstigen Unteren Anschlusses im Bereich der heutigen Röhrigstraße. „Damit müssen wir unsere bisherigen Kenntnisse zu diesem Bauwerk revidieren. Der Turm des Außenwerks in Richtung Steinmauern war nicht mehrstöckig, er hatte nur eine Etage“, erwähnt Spezialist Dieter Wolf. Er kann anhand der weiteren nun verfügbaren Festungspläne belegen, wie durch die Fortentwicklung der Waffentechnik, das geradezu mittelalterliche Festungswerk der Stadt an der Murg verändert worden ist.
So zeigen die Abbildungen zum Rhein- und Ottersdorfer Tor, wie man den gezogenen Läufen der Kanonen und der Einführung von Sprenggeschossen Rechnung trug. Um dem nach 1850 möglichen direkten Beschuss durch die erheblich perfekter gewordene Technik etwas entgegen zu setzen, waren die Torwachtgebäude mit dicken Erdwällen versehen worden. Zudem mauerte man die ursprünglich vorhandenen Schießscharten zu. „ Die Erdmassen hätten im Ernstfall keinen sinnvollen Schutz bedeutet“, beurteilt dazu Kasemattenführer Dieter Wolf.
Die nunmehr reproduzierten und eingeschweißten Pläne werden demnächst bei Führungen in der Bastion 27 bzw. in den unterirdischen Gängen des Panoramaweges zu sehen sein. Sie können noch weitere Qualität und Anschauung in die so begehrten Festungsführungen bringen.


Bild: Dieter Wolf (links) und Thomas Milkowsky begutachten einen seltenen Plan der Bundesfestung Rastatt, der demnächst kopiert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird.
Tect und Foto: Wollenschneider

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Freitag, 14. Januar 2011

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