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Adolf Niederbühl hinterließ Spuren in Rastatt

Die Villa Niederbühl
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 Die Villa im Stil eines italienisch-toskanischen, herrschaftlichen Landsitzes ist Bauherr Adolf Niederbühl zu verdanken, einem Mann, der beim genaueren Hinsehen, viele Spuren in Rastatt hinterlassen hat. Der am 8. August 1857 in Allensbach am Bodensee geborene, spätere Metzger, war für die vom Festungskorsett befreite Stadt an der Murg „der“ Wegbereiter ins 20. Jahrhundert.
Niederbühl arbeitete zunächst als Metzger in Straßburg und heiratete 1881 Karoline Kalklösch, die Rastatter Wirtstochter vom „Zum Goldenen Hirsch“ in der heutigen Ottersdorfer Straße. Wie Recherchen des vormaligen Stadtarchivars Wolfgang Reiß zu entnehmen ist, zog Adolf Niederbühl 1883 ins Dörfel und bot zunächst seine Wurst- und Fleischwaren in der damaligen Kriegstraße an. Durch die Nähe der Kasernen und den Kontakt mit den Soldaten, reift bei Niederbühl die Idee, eine „Militäreffektenhandlung“ zu begründen, ein Rundum-Magazin für alles, „Was der Soldat für seine Ausrüstung so braucht“.
Adolf Niederbühl erwirbt schließlich das Grundstück an der Ecke der heutigen „Lützower-/Carl-Friedrich-Straße. Dieses lag im Gewann „Im Trösterle-Am Jagdberg“. Nach einem Intermezzo errichtet Adolf Niederbühl 1896 seine einmalige Villa, ein Beispiel der breit gefächerten Gründerzeitarchitektur und des inzwischen durch Geschäfte verschiedenster Art erreichten Wohlstandes.
Den Durchbruch-Achtungserfolg erzielt Adolf Niederbühl 1901, als er als Kopf des Gewerbevereins Rastatt die „Gewerbe- und Industrieausstellung“ vorbereitet, begleitet und zum Erfolg führt. Dafür wurde er vom Großherzog Friedrich I. persönlich mit dem Zähringer-Löwen-Orden ausgezeichnet. Niederbühl wurde Hoflieferant und beschickte die meisten Militär-kantinen Deutschlands mit seinen Zubehörprodukten für das Soldatenleben. Nach dem Vorsitz des lokalen Gewerbevereins war der Rastatter Fabrikant bis zu seinem Tod der Vorstand der Badischen Gewerbevereine.
Was Rastatt Adolf Niederbühl auch zu verdanken ist, das ist sein gesellschaftliches Engagement. Er war 1895 Gründungsmitglied der Großen Karnevals Gesellschaft Rastatts, 26 Jahre Mitglied des Stadtrats, elf Jahre Vorsitzender der Vereinsbank, Gründer des Badischen Handwerkertages und auch von 1913 bis 1918 im badischen Landtag vertreten. Einer Schrift des „Bundes der Selbständigen“ von 1980 ist sogar zu entnehmen, dass Adolf Niederbühl Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung der Weimarer Republik 1919 war.  Nicht zu vergessen sei Niederbühls Engagement für die Heimkehrer des Ersten Weltkriegs und für die Neuordnung des Lehrlings-Prüfwesens.
Als Politiker von den Kämpfen des Ersten Weltkriegs verschont, wird der Rastatter Geschäftsmann dann doch noch zum Opfer der internationalen Auseinandersetzung. Ein 50 Kilometer breiter Streifen am Rhein wurde nach 1919 entmilitarisiert. Dieses bedeutete das Ende für den florierenden Betrieb Niederbühls mit seinem Militärzubehör.
Ein bisher nicht veröffentlichter Beleg vom 27. September 1919 mit prächtigem Briefkopf dokumentiert das Ende des „Großherzoglich badischen Hoflieferanten für Bürsten und chemische Präparate“. Die Firma „Kuckuk & Rehm“ hatte damals bereits das einstige Niederbühl’sche Imperium übernommen. Der hoch geachtete Hoflieferant starb im Oktober 1922 in Adelsheim. Sein von Josef Mallebrein geschaffenes Grabdenkmal auf dem Rastatter Stadtfriedhof stellt ein bis heute überdauerndes Denkmal dar.
Während der „Villa Niederbühl“ im Dörfel wieder zu altem Glanz verholfen wird, belegt ein seltener Briefbogen aus dem Jahr 1919 die ganze Tragik des „Machers“ Adolf Niederbühl.

Text und Fotos R.Wollenschneider
8.Januar 2012

 

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Einblicke in die Villa

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Das Grabdenkmal auf den Rastatter
Stadtfriedhof

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