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Aus den BNN Ausgabe 25. März 2010

Gigantischer Zeppelin lockte Schaulustige
Der Flugplatz Oos feiert in diesem Jahr 100. Geburtstag / Geschichte der Passagier-Luftfahrt beginnt

Zeppelin Baden_web

MENSCHENMASSEN UND EIN FLUGZEUG:
 Zu Beginn der zivilen Luftfahrt ist die Eroberung der Lüfte für viele Menschen eine unglaubliche Sensation.                                                                                                                                   Foto: pr

Ein bedeutendes Stück Baden-Badener Luftfahrtgeschichte wird am 24. und 25. Juli gefeiert:

Der Flugplatz Oos wurde vor genau 100 Jahren im Jahr 1910 eröffnet. Unter dem Motto „Eine Jubiläumsfeier zwischen Geschichte und Zukunft“ feiern der Aero-Club Baden-Baden und die Fliegergruppe Gaggenau diesen Anlass. Die beiden Segelflugvereine betreiben den Platz in Eigenregie, seit im Jahr 2000 der Verkehrslandeplatz Oos geschlossen und die Motorflieger auf den Baden Airpark verlagert wurden.
  Horst Göricke und Nikolaus Hertweck von der Gaggenauer Fliegergruppe recherchierten für das Jubiläum im Stadtarchiv Baden-Baden über die Entwicklung des Flugplatzes Oos. Am Anfang verkehrten ab Baden-Baden Zeppeline im Liniendienst: Anfang des Jahres 1910 wurde eine Luftschiffhalle auf dem Gelände westlich des Bahnhofes Baden-Oos errichtet. Auf einer Grundfläche von 160 mal 30 Metern erhob sich das fast 30 Meter hohe Gebäude. Neben dieser Luftschiffhalle wurden noch ein Werkstattgebäude und ein Lager gebaut, dazu ein von der Bahnstrecke abzweigendes Gleis, auf dem die Waggons mit dem Wasserstoffgas angefahren werden konnten.
     Die Einweihung fand vom 22. bis 24. Juli 1910 mit einem Fliegermeeting statt. „Der Eindecker des Piloten Behrend erreichte eine Höhe von 30 Metern, während der des Piloten Jeannin mit seinem Aviatik-Zweidecker eine Höhe von 74 Metern erreichte“, ist in der Chronik zu lesen. Auf Tribünen und Stehplätzen drängten sich Tausende von Zuschauern.
     Pünktlich zur Iffezheimer Rennwoche traf am 21. August 1910 Uhr das Luftschiff LZ 6 von Friedrichshafen kommend in Baden-Oos ein. Zahlreiche Schaulustige begrüßten das 144 Meter lange Luftschiff. Gegen eine Mark Eintritt konnte die Bevölkerung den Zeppelin in der Halle besichtigen. Am 23. August 1910, begann dann in Baden-Baden die Geschichte des deutschen Passagier- Luftverkehrs. Mit dem Luftschiff wurde die erste offizielle Passagierfahrt in Deutschland durchgeführt.
Zwölf Personen leisteten sich das teure Vergnügen, 200 Mark kostete die Fahrkarte für die knapp zweistündige Rundfahrt über Mittelbaden
     Bis zum 14. September fanden täglich Rundfahrten statt, dann geschah ein folgenschweres Unglück: Durch eine Benzinverpuffung entstand eine Stichflamme. Das Gebäude überstand das Unglück ohne größeren Schaden, doch vom Luftschiff, mit dem bisher 34 Passagierfahrten mit 318 Gästen gemacht wurden, blieb nur sein verbogenes Aluminiumgerippe übrig, so die Chronisten. Im gleichen Jahr nahm die gegründete Deutsche Luftschifffahrts- AG (DELAG) mit dem Luftschiff LZ 7 erstmals eine Linienverbindung von Frankfurt nach Baden-Baden und nach Düsseldorf für Passagiere auf. Der Erfinder der zigarrenförmigen Luftschiffe, Graf Ferdinand von Zeppelin, wurde zum Baden-Badener Ehrenbürger ernannt.
    Neben den Luftschiffen konnte man auch Flugzeuge in Baden-Oos bewundern. Auch der Luftfahrtpionier Anton Fokker soll hier sein erstes Flugzeug erprobt haben. Die Spin 1 mit 50-PS-Argus-Motor wurde in der Zeppelinhalle montiert und besaß weder Querruder noch Seitenruder, was bei der Erprobung im Oktober 1910 letztlich zum Bruch führte.

      Sie war aber der Anfang für weitere 211 Fokker-Konstruktionen. Vom 20. bis 28. Mai 1911 veranstaltete man den ersten deutschen Zuverlässigkeitsflug für Motorflugzeuge. Kurdirektor Graf Vitzthum und Apotheker Dr. Oskar Rössler hatten die Veranstaltung organisiert, die Stadt Baden-Baden einen Zuschuss von 25 000 Mark bewilligt. Vorgesehen war ein Rundflug von 700 Kilometern der an sieben Tagen zu absolvieren war. Gemeldet waren zwölf Flugzeuge, erschienen sind letztlich sieben. Nur ein Pilot erreichte den Zielort.  Helmut Hirth, der Bruder des später sehr bekannten Segelfliegers Wolf Hirth, auf seiner Rumpler - Taube. Er erhielt das Preisgeld von 60 000 Mark. Am 12. Juli 1914 startete LZ 11 zur letzten Zeppelinreise von Baden-Baden nach Frankfurt. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden die Passagierluftschiffe Viktoria Luise, Hansa und Sachsen vom Kriegsministerium übernommen und der zivile Luftschiffbetrieb eingestellt.
      Im Krieg hatten die Zeppeline kaum Bedeutung, allein 39 Kriegsluftschiffe gingen durch Feindeinwirkung verloren und 42 Luftschiffe wurden durch Fahrfehler, Unwetter und Brände vernichtet. In der Zeppelinhalle wurden bis Kriegsende rund 3 300 nicht mehr einsatzfähige Flugzeuge ausgeschlachtet. Bis 1919 waren bis zu 280 Personen beschäftigt

 Georg Keller

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Freitag, 14. Januar 2011

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