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Gibt es Hoffnung für das "Joffre-Areal"?
     ZWISCHEN VANDALISMUS UND KUNSTAKADEMIE
"Historischer Verein" informierte sich
Rastatt(rws). Es ist knapp zwei Jahre her, dass sich Vorstands-Mitglieder des "Historischen Vereins Rastatt" vom Zustand der ehemaligen Kasernenanlage Joffre im Dörfel ein Bild verschaffen konnten. Bei einer aktuellen Begehung stimmte der geplante "Kunstpark" positiv. Nicht erfreulich war dagegen der fest- gestellte Vandalismus in und um die Gebäude.
Eingeladen zu dem Vororttermin hatten der Rastatter Kalktechniker Lothar Bohrmann und der Freiburger Bildhauer Thomas Gremmelsbacher ("Knochenstein"), Gründungsmitglieder des Vereins "Akademie für Kunst und Handwerk." Die momentan neun Mitglieder haben einen Teil der "Joffre" angemietet (500 Quadratmeter) und wollen wieder Leben in das alte Gemäuer bringen. Schon das einstige französische Kino mit den Mannschafts- und Offizierssesseln könnte zum Kult werden.
Lothar Bohrmann teilte mit, interessiert sei man in erster Linie an den 7500 Quadratmetern mit den historischen Stallungen und Funktionsräumen in Form eines U mit großem Innenhof. Problem sei im Moment der von der Oberfinanzdirektion verlangte Preis von 105 Euro pro Quadratmeter. Doch das Interesse eines Gastronomen aus der Umgebung für ein "Eventlokal", einem renommierten Galeristen sowie einem Architekten machen sehr viel Hoffnung.
Gegenüber den Vertretern des Historischen Vereins nannte Lothar Bohrmann 14 mögliche Wohneinheiten, mögliche Künstlerwerkstätten bei Beibehaltung des Ensembles mit einem Park im Innenhof. Während das Ambiente der ehemaligen Pferdeställe der Artilleristen etwas Besonderes hat, denkt man auch an die Einbeziehung des ehemaligen Stabsgebäudes mit dem bekrönenden Uhrturm.
Hier wurde zwischenzeitlich so ziemlich alles ausgebaut, was verwertbar ist, inklusive des historischen Uhrwerks und Schaltkästen. Deutsche anarchistische und russische Parolen weisen auf stattgefundene Feten hin, die wohl oft im Zertrümmern vieler Scheiben endeten. Da wirkt die Waffenkammer mit Panzerschrank schon nostalgisch.


Ein besonderes Anliegen des Historischen Vereins ist die Rettung der künstlerisch wertvollen Majolika-Fayencen, die noch unzerstört und unbeschädigt sind. Darunter, neben den Darstellungen zur Entwicklung der Artillerie, eine meisterliche Rastatter Stadtansicht, die unbedingt gesichert und gerettet werden muss.
Seit der "Akademie-Verein" vor drei Wochen im Joffre-Areal eingezogen und Schlüsselgewalt hat und ein Hund präsent ist, scheint die noch vorhandene Joffre-Substanz sicher. Der "Historische Verein" hofft jedenfalls auf die baldige Lösung der "Joffre-Frage."

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Nostalgischer Rundgang im ehemaligen französischen Offizierskasino in Rastatt




HISTORISCHES WANDGEMÄLDE BISHER NICHT BEKANNT

Ein muffiger Geruch schlägt dem Besucher entgegen, der aber schnell bei einem „Aha-Erlebnis“ vergessen ist. Das ehemalige französische Offizierskasino, am Rand des Schlossparks und gegenüber dem Kaufhaus Schneider, wird zur Fundgrube und gibt bisher der Öffentlichkeit Verborgenes frei.Bevor in diesem Jahr die Umbauarbeiten des im Jahre 1939 für Offiziere der Rastatter Garnison errichteten Gebäudes beginnen, gewährte der
 verantwortliche Architekt, Horst Thom, einen nicht alltäglichen Einblick. Dieter Wolf von der Vorstandsspitze des Historischen Vereins hätte nicht vermutet, was sich hinter den Mauern des Gebäudes verbirgt.

Der „Knüller“ im lange Jahre, bis auf den Festsaal bei Empfängen,für Rastatter verschlossenen Kasino, ist ein monumentales Wandgemälde in einem der beiden Treppenhäuser. „Passage de Rhin – 20. Avril 1797 –1er Floreal An. V.“ ist das Wandgemälde überschrieben. Dieter Wolf entdeckte das Signum des Malers, „R. Heber“, Dargestellt ist mit vielen Details, bis hin zu Verwundeten und einer betreuenden Frau, General Moreaus Rheinübergang mit Booten bei Willstädt. Am 20. April 1797 setzten die Franzosen in Richtung Kehl mit 20 000 Mann über und konnten nach einem erheblichen Hin und Her die Österreicher zurückdrängen.
„Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz gestaltete sich sehr positiv“, merkt Architekt Thom an. So müssen der Grundriss des Kasinos, das beschriebene Wandgemälde und die Schlosspark- bzw. Museums-Tor-Front erhalten bleiben. Ebenso der beeindruckende Festsaal. „Während wir uns für den Saalbereich eine gastronomische bzw. gewerbliche Nutzung vorstellen könnten, werden aus den 17 ehemaligen Hotelzimmern und Wohnungen acht neue im Seitenflügel“, berichtet Horst Thom über seine Planungen. An weitere vier attraktive Wohnungen im Dachbereich ist zudem gedacht.
Beim aktuellen Rundgang war man erstaunt, wie gut alles in den Räumen „in Schuss“ ist.

 Entdeckt wurde dabei ein metallenes Fenstergitter mit den Wappen der ehemals stationierten französischen Pionier- und Artillerieeinheiten, sowie dem Stadt- und Landkreiswappen. Ein Schmuckstück ist jetzt schon der parkettierte Festsaal mit den nostalgischen Tapeten und Leuchtern. Dazu der Architekt: „Hier ist irgendwo ein Wandgemälde aus den Zeiten deutscher Nutzug versteckt, das wir frei legen werden und erhalten wollen.“

Momentan untersucht ein Statiker das ehemalige Kasinogebäude, mit dem Schwerpunkt bei Decken und Böden. Leider wird das prächtig vorhandene Parkett aus Brandschutzgründen wohl verschwinden müssen. Durch momentan noch vorhandene üppige Fenstervorhänge und Lampen an den 50er- und 60er-Jahren strahlt das Offizierskasino einen besonderen nostalgischen Touch aus. Dieser wird bald moderner Bautechnik in einer historischer Hülle weichen müssen.

Text und Fotos: Wollenschneider

 

Vom Offizierskasino zur Dörflerkirche

Herz-Jesu-Kirche, ein Schmuckstück im Abseits

Am Pfingstmontag 1930 schlug die Geburtsstunde für die Herz-Jesu-Kirche im Rastatter Stadtteil Dörfel. Aus dem großzügig 1913 erstellten und kaum genutzten Offizierskasino für das Regiment Nr. 40 wurde schließlich eine mit einem Turm bekrönte Kirche. Aktuell möchte Pater Anton (Hoffmann) von den

Franziskanern  zum 75 - Jährigen 2005 die Dörflerkiche mehr aufwerten.

Mittwochs, freitags und sonntags wird momentan ein Gottesdienst in "Herz-Jesu" abgehalten. Dabei sind sonntags ab 10.00 Uhr kroatische Gläubige inzwischen Stammgäste. Während Pater Anton von durchschnittlich 100 Besuchern bei den Gottesdiensten berichten kann, "erblühte" im Sommer 2003 die Dörflerkirche mit bis zu 160 Gläubigen bei den Gottesdiensten.

Pater Anton will jedenfalls zum 75-jähri-gen Jubiläum 2005 das Ensemble etwas umgestalten. So soll der Altar verrückt werden, da er den Blick auf den Hochaltar für die Gläubigen verstellt. "Es ist eigentlich in ihrer Art eine sehr schöne Kirche", vermerkt Pater Anton. Dazu kann man ihm nur beipflichten.

Was die Ausstattung betrifft, ist die Herz-Jesu-Kirche mit der Weihe von Pfingsten 1930 ein Schmuckstück.

Zunächst sind es die beiden Seitenaltäre im Barockstil. Sie entstammen dem Fundus der Klosterkirche Schwarzach, worauf die bekrönenden Medaillons mit den entsprechenden Insignien hinweisen. "Während ich den Josef und den Johannes, den Täufer, ausmachen kann, sind für mich die weitern drei Heiligen an den Seitenaltären ein Rätsel", merkt Pater Anton an. Dagegen ist die Entstehung des Hochaltars von Herz-Jesu eindeutig.

Zum Rahmen der barocken "Ummantelung" aus der Klosterkirche Schwarzach hatte der Dörfler Holzschnitzer Robert Matthäi ein Kreuz mit zwei flanierenden Figuren geschaffen. Die helle Farbe der Kreuzigungsgruppe wirkt zwar etwas seltsam, hatte aber von jeher einen besonderen Reiz. Nicht geklärt ist zudem, wer die Heiligenfiguren am Rand des Kirchenraums geschaffen hat. Es sind der Judas Thaddäus, der Pförtnerbruder Konrad und die Figur mit dem Herzen Jesu.
Besonders stolz ist Pater Anton auf die drei Gemälde in der Dörflerkiche. Sie wurden von Joseph Wagenbrenner an die Decke gebannt. Zunächst ist es Christus, welcher der heiligen Margareta Alacoque erscheint. Künstlerisch wertvoll zudem das Mittel-Deckenbild, welches die Verehrung des Herzen Jesu verbildlicht.

Hier hat sich auch Josef Wagenbrenner, mit einem symbolischen Wagenrad in der Hand verewigt. Schließlich zeigt das dritte Deckengemälde den Tod des seligen Markgrafen Bernhards von Baden, das in seiner perspektivischen Art einmalig ist.

Zu den Gemälden des Josef Wagenbrenner ließ der Karlsruher Professor Josef Graf einst verlauten: "Den wertvollsten Schmuck erhielt die neue Kirche (1930) durch die Deckenbilder des einheimischen Künstlers Josef Wagenbrenner. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn ich diese Bilder den der besten Barockschöpfungen an die Seite stelle."
 

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Nach den Abbrucharbeiten auf dem Gelände der Firma Holz Hertel wurde eine historische Flankenbatterie wieder sichtbar, deren zukünftige Nutzung noch offen ist.

Wurzeln setzten den Mauern zu

Durchblick

So sieht es heute aus

So hat es vor 100 Jahren noch ausgesehen

Während auf dem Areal der ehemaligen Firma Holz-Hertel im Bereich des Leopold- platzes das letzte Gebäude abgerissen wird, tauchte ein etwas in Vergessenheit geratenes Festungswerk wieder auf. Es handelt sich  um die denkmalgeschützte Flankenbatterie, deren geplanter Abriss vor einigen Jahren von Mitgliedern des Historischen Vereins im letzten Moment verhindert werden konnte.

Einige Jahre war die Gewehr- und Geschützbatterie hinter einem Lattenzaun verschwunden. Jetzt mussten Karl-Josef Fritz und Dieter Wolf bei einem Augenschein feststellen, dass der Dornröschenschlaf dem interessanten Festungswerk stark zugesetzt hatte. Während der Schutt des vom Bagger zerstörten Tores im Hof aufgetürmt liegt, haben die Baumwurzeln beim Blend- mauerwerk ganze Arbeit geleistet.
Positiv dagegen ist der Erhaltungszustand mit den großen Kasemattenräumen im Innern. Dadurch keimt die Hoffnung auf, das Werk doch musealen Zwecken zuführen zu können. "Das ist eben Frage des Geldes und der Arbeit", merkt Dieter Wolf, Zweiter Vorsitzender des Historischen Vereins an. Er hofft auf den positiven Ausgang von Verhandlungen mit der Stadt Rastatt und der Baugenossenschaft, auf deren Gelände die Flankenbatterie liegt.

Es stellte sich zudem heraus, dass die Mauer neben dem Festungswerk auch denkmalgeschützt ist und die Kontur des ehemaligen Festungsgrabens auszumachen ist. Die Zukunftspläne des Historischen Vereins gehen dahin, die Flankenbatterie in Führungen einzubauen. Dazu sollte ein Teil der momentan unterirdischen Festungs- anlagen freigelegt und von dort aus ein kleines Dokumentationszentrum in der Flankenbatterie präsentiert werden können.
Ein weiteres Projekt für den Historischen Verein kommt in der Flanke 27 neben dem Karlsruher Tor auch aktuell auf den Historischen Verein zu. Nachdem die "Star-Energiewerke" eine Trafostation mit dem Zugang von der Bismarckstraße her ausgeräumt hat, steht für Führungen im ehemaligen Festungswerk eine weiterer Raum, zirka 50 Quadratmeter groß, zur Verfügung. Es handelt sich um die untere Etage der einstigen Mörserbatterie, die im Zweiten Weltkrieg auch als Luftschutzkeller genutzt wurde.
Problematisch ist nach Dieter Wolf, dass vom Fundament der ehemaligen Aggregate tiefe Schächte zurückgeblieben sind, die ge- schlossen werden müssen. Jedenfalls arbeitet der Historische Verein an beiden Projekten, nicht zuletzt um das touristische Angebot in der Stadt an der Murg zu erweitern.

Text und Bilder:
R. Wollenschneider
 

                   AUSFALLTOR ÜBERDAUERTE 150 JAHRE


Als historische Besonderheit kann das Auffinden eines Ausfalltores der ehemaligen Bundesfestung Rastatt, hier mit dem Ersten Vorsitzenden des Historischen Vereins, Karl-Josef Fritz, im Bereich der ehemaligen Leopoldsfeste bezeichnet werden.

In Mainz wurde im vergangenen Jahr das Auffinden eines historischen Ausfalltores der Stadtbefestigung als wissenschaftliche Sensation gefeiert. Doch Rastatt, die Stadt an der Murg, bietet dazu noch eine sehenswerte Parallele. Bei den Führungen des Historischen Vereins  wird ein Ausfalltor zugänglich gemacht werden können, das nach über 150 Jahren dem Dornröschenschlaf entrissen wurde.
Im Rahmen der Erschließung des Baugebietes "Ehemalige Leopoldsfeste" wurde plötzlich das Tor sichtbar, das viele Jahrzehnte ins Abseits geraten war. Karl-Josef Fritz und Dieter Wolf vom Historischen Verein trauten ihren Augen nicht, als ihnen berichtet wurde, im Hinterfeld der abgerissenen Liegenschaften der Holzfirma Hertel habe sich ein originales Ausfalltor erhalten.
Bei Festungsanlagen dienten Ausfalltore zu schnellen Verteidigungsaktionen gegen die Angreifer. Das Rastatter, eiserne Tor, bietet Perspektiven, die sonst nur in der Literatur zu finden sind. Ob die Festungsanlagen in Ulm oder Germersheim, das nun in Rastatt aufgefundene Tor könnte in Fachkreisen auf sehr großes Interesse stoßen.
Das eiserne Tor hat zwar unter den Wetterunbilden der letzten 150 Jahre gelitten, befindet sich aber noch in den Scharnieren der ursprünglichen Verankerung. Vorhanden sind noch die Ketten zum Öffnen und das aufwändige Schloss. Außerdem sind als interessantes Detail beide "Spione" in der dicken eisernen Fläche erhalten. Sie dienten zum "Durchblick" zur anderen Seite des trockenen Grabens der Leopoldfeste.

Mit dem nun identifizierten Ausfalltor bieten sich erweiterte Perspektiven, was Führungen für historisch Interessierte an Rastatts Vergangenheit als Bundes- bzw. Reichsfestung betrifft. Allerdings müssten die interessanten Flügel des Ausfalltores bald gesichert und restauriert werden, denn der Zahn der Zeit am Objekt ist unübersehbar.



Text und Foto: Wollenschneider


Seite erstellt am 18. 04. 2004

Von Badischen Revoluzzern inspiriert

Freiheit oder Tod“ steht auf der schwarz-gold-roten Fahne, die in einer Mauernische hängt, die Mitte ziert ein Totenschädel. Das Szenario wirkt echt, denn in einer Originalkasematte der Bundesfestung, der Bastion XXVII, fand am Dienstag die Projektprüfung zum Thema „Badische Revolution 1848/49“ statt. Fünf Schülerinnen der 9. Klasse der Karlschule hatten sich für die Projektwoche einiges einfallen lassen: da waren Stelltafeln mit Informationen und Skizzen zu sehen, Fotos von Denkmälern, Abdrücke von Steingravuren, die die Kasemattenhäftlinge im denkwürdigen Jahr 1849 hinterlassen haben; sogar die Fahne war von den Schülerinnen selbst genäht!
         Im Vorfeld hatten sie in der Erinnerungsstätte für Freiheitsbewegungen  in der deutschen Geschichte, dem Kreisarchiv und beim Historischen Verein über die Revolution recherchiert und sich inspirieren lassen. Der Prüfungsausschuß staunte nicht schlecht, als die Neuntklässlerinnen erst das Freiheitslied „Die Gedanken sind frei“ und dann noch das „Badische Wiegenlied“ erklingen ließen und mit einer Babypuppe in Szene setzten. So zeigten sich denn Rektorin Hartmann und ihre Beisitzer sehr zufrieden mit den erbrachten Leistungen. „Sehr gut“ laute das einstimmige Urteil für Hafize Akpinar, Valeria Papia, Annette Gajda, Agnes Burytsch und Galina Schmidt, die damit einen schönen Bonus für den Hauptschulabschluß erworben haben. Hans Adler, der Klassenlehrer, ist stolz auf die Mädels. „Sie haben, von der Idee angefangen, alles selbst gemacht und über das Wissen hinaus auch die Befähigung zur Team-Arbeit gezeigt“, erklärt er. Ihm ist es ein Anliegen, Geschichte vor Ort zu vermitteln, wozu ja Rastatt mit seinen Festungsresten ideale Voraussetzungen bietet. Das konnten die „Prüfungshelfer“ vom Historischen Verein Peter Hauns, Günter Kemmlein und Dieter Wolf, die die Klasse früher schon mal durch die Minengänge geführt haben, nur bestätigen. „Dafür machen wir ja das Ganze“, erklärt Wolf und ist froh, daß der Historische Verein –wieder einmal- seinen Bildungsauftrag erfüllt hat.
 Text und Foto: I. Stamm

Der historische Abendtreff des Historischen Vereins

Immer galant im barocken Gewand

Galant im barocken Gewand präsentierten sich am Gründonnerstag im Braustüb´l drei „fürstliche“ Gäste: Als Graf und Gräfin Voss, begleitet von der achtjährigen Prinzessin Rebecca, verliehen die „Kostümierten“ Sascha Geburt und Marion Gibon aus Steinmauern dem Stammtisch des Historischen Vereins einen besonderen Glanz. Zunächst in der Sprache des 18. Jahrhunderts, dann aber ganz fachmännisch gaben sie Auskunft über die Gewandung und über ihr exklusives Hobby. Nachdem das Paar an mehreren mittelalterlichen Märkten teilgenommen hatte, bot sich im vergangenen Sommer die Gelegenheit, im Rastatter Schloß an dem Ball „Les Galantes“ teilzunehmen. Bedingung war das Tragen eines originalgetreuen Barockkostüms. „Authentizität ist eine Preisfrage“, erklärt Marion, die es sich in den Kopf gesetzt hatte, die Kostüme selbst zu nähen. Die Vorbilder dazu liefern Museen wie etwa das Modemuseum Ludwigsburg. Da Sascha nicht so viele Rüschen wollte, entschied man sich für die Epoche um 1770. Die Schnitte liefert das Internet, die Stoffe stammen von einer Rastatter Bettenfirma. Der Grund: Möbelstoffe sind strapazierfähig und halten auch mehrere Tänze aus, außerdem enthalten sie einen hautverträglichen Baumwollanteil und sind nicht zu schwer.  Zunächst zum Herrn: Dieser trug Beinkleider, Schnallenschuhe, ein rüschenbesetztes Hemd mit Lätzchen (die spätere Krawatte) und einen Mantel „juste au corps“. Herren ging geschminkt zum Fest, das Puder wurde aus Reis oder Weizen gewonnen. Wangenrot, Lippenstift und ein Schönheitspflästerchen waren ebenso unerläßlich. Nach Saschas Vorstellung wurde das Damenkleid hereingetragen, das immerhin einen ganzen Wäschekorb füllt und aus ca. 10 Meter Stoff besteht. Voller Bewunderung konnten sich nun die überwiegend weiblichen Besucher, darunter auch Schneiderinnen, ein Bild von der aufwändigen  Herstellung des textilen Kunstwerks machen, das einschließlich Mäntelchen ca 15 Kilogramm wiegt. Anschließend ließ sich eine Besucherin (beinahe) von Grund auf ankleiden. Über das Chemise (Unterhemd) wurden die Hüftpolster gebunden, die man mancherorts „Hühnerkörbe“ oder derb „Altweiberspeck“ nannte und die die Hüften auf über zwei Meter Breite ausdehnten. Darüber kam die Jupe (das Kleid); der Ein-und Ausstieg erfolgte immer durch Schlitze, geschlossen wurde ursprünglich nur mit Stahlnadeln. Hier entschied sich Marion für Haken, denn so starke Stecknadeln sind nicht mehr zu bekommen. Die Zier des Mieders ist Geschmacksache; dabei sollen die Schleifchen die Zahl der Liebhaber verraten haben. Auch der Fächer, unerläßliches Attribut der Dame, konnte Signale wie „Komm mit“ oder „Heute nicht“ versenden. Über dem Kleid trug die Dame  ein Mäntelchen mit angeschnittenen Ärmeln und großer Kapuze, unter die auch Hochfrisuren paßten. Das Kropfband und das Hütchen gehörten ebenso zur Ausstattung, wie Prinzessin Rebecca Uhrig, ganz in Blau, geduldig demonstrierte. Überhaupt war die Kleidung der herrschaftlichen Kinder dieselbe wie die der Erwachsenen, ebenso das Makeup.
        Ob die „barocke Familie“ aus Steinmauern bei einem der bevorstehenden Feste in Rastatt mitwirkt? Das ist noch unbestimmt, doch das Publikum verabschiedete sich glaubhaft mit den Worten „Hoffentlich sehen wir Euch wieder!“
Text und Fotos: I. Stamm.

„  Unsere “ResidenzStatt“ im Stadtmuseum

         BEISPIELSHAFTE ZUSAMMENSCHAU ZUR STADTGESCHICHTE

                            Umfangreiches Rahmenprogramm im Angebot

Der Besucher des Rastatter Stadtmuseums wird verblüfft sein, welche Zusammenschau ihm zur Zeit von 1705 bis 1771 geboten wird. „Unsere ResidenzStatt“ ist die ausgezeichnet aufbereitete Ausstellung überschrieben, welche von Iris Baumgärtner, Wolfgang Reiß, Markus Zepf und Peter Hank vorbereitet wurde.
Zu verdanken sind die „erlesenen Ausstellungsstücke“, im Keller und Erdgeschoss des Stadtmuseums präsentiert, auch mehreren Leihgebern. So dem Landesarchiv Baden-Württemberg (GLA Karlsruhe), dem Markgraf von Baden, der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe, dem Kloster unserer Lieben Frau in Offenburg und weiteren. Daher wurde es möglich, natürlich angereichert mit eigenen Beständen des Stadtmuseums, etwas Außerordentliches zu präsentieren.
Zu finden sind zahlreiche originale Pläne, die zum Teil erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Dokumentiert werden können dabei die verschiedenen Planungsphasen der auf dem Reißbrett entworfenen Stadt an der Murg. Sehenswert sind zudem die raren Kriegstagebücher des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, eine wertvolle Quelle zum Krieg am Oberrhein gegen die Franzosen und dem Pfälzischen Erbfolgekrieg.
Unter den „Schätzen“ zur Rastatter Stadtgeschichte findet sich auch ein Plan, der 1924 von Fritz Hirsch entdeckt wurde. Er zeigt den einzigen authentischen Grundriss des mittelalterlichen Marktfleckens an der Murg. Hinzu kommen Archivalien, Originaldokumente, Gemälde und Grafiken. Doch für das Auge wird bei einer sehr ansprechenden begleitenden Grafik auch einiges mehr geboten. So finden sich Kirchengerät und Messgewänder aus dem Kirchenschatz der Stadtkirche Alexander und das berühmte kolorierte Pflanzenbuch des Ludwig Pfleger. Auch der herrliche Haus-Nepomuk aus der Dreherstraße wurde in einen neuen Kontext gesetzt.
Dem Anlass gebührend geriet auch die Ausstellungseröffnung. Veronik Fuchs, Querflöte, und Cornelia Meine-Gengenbach am Cembalo, sorgten für das passende akustische Ambiente. Voll des Lobes für „Unsere residenzStatt“ war Prof. Dr. Konrad Krimm vom Generallandesarchiv. Er gratulierte dem „tollen Team“ zum Geleisteten. „Hier wurde ein wichtiger Schlüssel zum Verstehen der Stadtgeschichte geliefert“, fügte Dr. Krimm an. Gerade der „Kampf der Städteplaner“ mit der Murg werde deutlich.
Auch begeistert vom Vollbrachten zeigte sich OB Klaus-Eckhard Walker und konnte eine umfangreiche Veranstaltungsreihe ankündigen, die einem geschmackvoll aufgemachten Faltblatt zu entnehmen ist.

Sehr viel für das Auge bietet bis zum Oktober die Ausstellung im Stadtmuseum „Die ResidenzStatt“, die bis Oktober freitags bis sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr betrachtet werden kann.
                                                             Barockes Feuerwerk

Text und Fotos: R.Wollenschneider                  3. 7. 2005

Kuriositäten zum Pfeifferbrunnen

Bei der Einweihung des Pfeifferbrunnens am vergangenen Wochenende, da staunte das Publikum nicht schlecht, als OB Walker das „Wasser Marsch!“ mit einer Fernbedienung betätigte. Hintergrund ist, dass zukünftig der Wirt mit dem Personal der Fruchthallen-Gastronomie den Wasserfluss des Pfeifferbrunnens regulieren kann. Sollten ungünstige Windverhältnisse herrschen, können die Wasserspiele heruntergefahren werden, um Belästigungen der Gäste zu vermeiden.
       Neben dem Wasserstopp per Fernbedienung wies Stadtführer Peter Hauns noch auf eine andere Besonderheit des Pfeifferbrunnens hin. Die Wasser speienden Fabeltiere, badische Phönixe bzw. Greife, haben erkennbar zwei Fisch-Schwänze. Eine solche Anmaßung gibt es sonst im ganzen badischen Ländle nicht.
     Was weiterhin beim Pfeifferbrunnen mehr als seltsam ist, betrifft die Schreibweise des Namensgebers. Eindeutig ist auf der vom Rastatter Kunstgießer Wolfgang Zeiler 1994 restaurierten Widmungstafel am Brunnensockel zu lesen „Guido Pfeifer.“ Doch die Rastatter bestehen auf ihrem Pfeiffer-Brunnen mit Doppel-F, in Erinnerung an den erfolgreichen Mannheimer Geschäftsmann mit seinen Wurzeln in der Stadt an der Murg, der 1901 den Brunnen „spendierte“.


  Schlimm ist es zudem für einen Wasserspeier unterhalb der Brunnenschale. Es handelt sich einwandfrei um Bacchus, den Gott des Weines. Doch durch seinen Rachen fließt nun wieder nicht kein Rebensaft, dafür Wasser aus der permanenten Umwälzanlage aus den Tiefen vor der Fruchthalle.

 

 

 


Text und Fotos: R.Wollenschneider

Der Rastatter Brunnen wird  mit einem gebührenden Fest wieder einmal belebt

Historische Hintergründe zum Pfeifferbrunnen

 Es ist aktuell ein besonderer Glücksfall, dass über ein Münchner Auktionshaus, ein besonderer Beleg zum Pfeifferbrunnen vor der Fruchthalle nach Rastatt zurück fand. Am Samstag wird festlich der Rastatter Brunnen mit einem gebührenden Fest wieder einmal belebt. Der Geschäftsmann Guido Pfeiffer in Mannheim hätte bei seiner Basisarbeit im März 1901 seine Freude gehabt, wie seine Stiftung reifte und welches Schmuckstück dabei kreiert wurde.

An „Fräulein Carlotte D.“ in Berlin-Neukölln richtete Füsilier Hermann Schröder seinen Kartengruß. Aus der ersten Kompanie des 40er-Regiments in Rastatt gingen seine Grüße aus dem „exotischen“ Baden. Der Berliner, rekrutiert in Rastatt für einen Aufmarsch gegen die damals „bösen“ Franzosen, gehörte 1917 zu einer im Stempel nachvollziehbaren „Armierungs-Abteilung.“
Der Preuße, weit ab von der Berliner Metropole, teilt seiner Angebeteten mit, welche Qualitäten Rastatt zu bieten hatte: „Herrliche Gegend hier. Essen ist auch gut.“
Weniger „warm“ und genüsslich präsentiert sich dagegen die Postkartenansicht mit dem Pfeifferbrunnen und der rechts davon flankierenden Fruchthalle. Doch, durch das auf die Fotoplatte gebannte Ensemble wird belegt, dass neben Schloss, Rathaus, Einsiedelner Kapelle und Stadtkirche, der morgen ein zu weihende Pfeifferbrunnen schon vor Jahrzehnten, auch ohne die heute präsentierte Super-Sanierung, ein Vorzeigestück war.

Postkarte: Archiv R.Wollenschneider Text R.Wollenschneider

Rastatter  erinnern sich an das Kriegsende!
Ausstellung des Historischen Vereins
in der  Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte im Schloss Rastatt 

Kriegsende

8. Mai 1945

Weltweites Gedenken an das Kriegsende 1945 hat den Historischen Verein Rastatt veranlasst, diese tiefgreifende Zäsur in einer kleinen Ausstellung zu präsentieren.
Ausgewählte Sammlungsstücke dokumentieren, wie dieses Ereignis im Raum Rastatt erlebt wurde. Die letzten Kriegstage, die Kapitulation und die Übergabe der Stadt an die französischen Truppen und der allmähliche Neubeginn in den Trümmern der Stadt werden gezeigt.
Rastatter Bürger erinnern sich an diese schwere Zeit.

Politische Plakate des Bundesarchivs ergänzen die Ausstellung.

Sie spiegelt die bewährte jahrelange Zusammenarbeit des Historischen Vereins mit der Erinnerungsstätte wieder.

Ausstellung des Historischen Vereins Rastatt

RASTATTER BÜRGER ERINNERN SICH

„Gemessen an den Problemen der Rastatter Bevölkerung 1945 und danach sind unsere jetzigen ‚Peanuts’“, schloss Dieter Wolf seine Rede zur Ausstellung: „8. Mai 1945. Rastatter Bürger erinnern sich“. In Zusammenarbeit mit der Außenstelle des Bundesarchivs im Schloss Rastatt hat der Historische Verein fünf Vitrinen zu dem Thema bestückt. Ungenannte Rastatter Bürger steuerten dazu meist schon Jahrzehnte nicht mehr gesehene Exponate bei.
      Erwartungsgemäß groß war dann auch der Publikumszuspruch bei der Ausstellungseröffnung und Hausherr DrInteresse der Generationrn. Wolfgang Michalka konnte unter den Besuchern unter anderem OB Klaus-Eckhard Walker und OB i.R. Franz Rothenbiller ausmachen. Dr. Michalka betonte die Wichtigkeit der Dokumentation, die auch ein Beitrag dazu wäre, ob der 8./9. Mai 1945 ein Tag der Niederlage oder der Befreiung gewesen sei. Hier „in der Provinz“ sei auch das zugefügte Leid durch NS-Machthaber deutlich geworden. Außerdem würden die Zeitzeugen immer rarer werden.
        So wie Dr. Michalka, fordert auch der Vorsitzende des Historischen Vereins, Karl-Josef Fritz, die Bevölkerung auf, „das private, persönliche Schatzkästlein“ zu öffnen und anderes, Verstecktes zugänglich zu machen. Fritz lobte die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv und sagte zur gezeigten Qualität der Ausstellung: „Wir wussten von Vielem, das nun gezeigt werden kann.“ Deutlich werde durch die gezeigten Dokumente auch,   wie der „kleine Mann alles ausbaden musste“.
        Bei den Erläuterungen zu der Präsentation des Historischen Vereins ging Dieter Wolf dann den Inhalt der einzelnen Vitrinen erläuternd durch, die unter dem Motto ständen: „Nie wieder Krieg!“ Während man zunächst auf den Alltag am Ende des Dritten Reiches einginge und beeindruckend in Fotos die Zerstörungen in Rastatt dokumentieren könne, sei ein Kapitel dem Polizeihauptmann Bethge gewidmet, „einem Menschen, der Leben in Rastatt gerettet hat.“
        Nicht verschwiegen werden soll die Welle der Will kür durch die französischen Besatzer, aber auch die Verurteilung der Kriegsverbrecher beim „Militär-Tribunal“ im Schloss mit eindrucksvollen Bilddokumenten. Auch auf die Entnazifizierung nach 1945 und die Stabilisierung der Verhältnisse in Rastatt wird mit eindrucksvollen Originalen eingegangen.
      

Bilder und Text:R. Wollenschneider

 

Das Leben und Wirken des Türkenlouis

Uli-Web
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ALS KENNER DES TÜRKENLOUIS stellte sich Uli Pfitzenmeier in Rastatt vor. der Vorsitzende des Historischen Vereins Rastatt, Karl-Josef Fritz (rechts), dankte dem Profunden Kenner.

Fotos R.Schulz

Freitag, 24. Mai 2013

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Dem Leben und Wirken des Türkenlouis
galt zum Abschluss der Sonderausstellung „Zwischen Sonne und Halbmond" im Wehrgeschichtlichen Museum im Rastatter Schloss eine Vortragsveranstaltung des Historischen Vereins Vorsitzender Karl Josef Fritz freute es dabei besonders mit dem befreundeten Mitglied des Philippsburger Historischen Vereins, Uli Pfitzenmeier, einen Glücksgriff getan zu haben. Der Referent interpretierte die Lebensgeschichte des Markgrafen spannend und detailliert. Neben der Vielfalt der eindrucksvollen Erlebnisse des badischen Helden, kamen aber auch die vermeintlichen Schwächen, welche ihm angedichtet wurden, an. Im Anschluss konnten sich die Teilnehmer in Gesprächen bei einem Imbiss und Getränken ausgiebig historisch austauschen. Auch ein Rundgang durch die Sonderausstellung ermöglichte das Gehörte mit den wertvollen und seltenen Exponaten fachmännisch zu vergleichen.

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