vereinslogo

Josef minet Schlachthaus_0002_web
Josef Minet war der letzte Pferdemetzger Rastatts
Wenn nun die Diskussion um Pferdefleisch in aller Munde ist, da lohnt sich ein Rückblick auf die Pferdemetzgereien in Rastatt. Zudem kann Zeitzeuge Karl-Josef Fritz, Metzgermeister und ehemaliger Vorsitzender des Historischen Vereins, einiges dazu beitragen.
Blättert man in den Rastatter Adressbüchern, so findet man 1896 den „Pferdeschlächter“ Wilhelm Mangold in der Dreherstraße, 1936 die Pferdemetzgerei Karl Grethel in der Rappenstraße und 1938 den Pferdemetzger Josef Schmitt in der Schiffstraße. Dessen Nachfolger wird der eingeheiratete Josef Minet, der noch bis 1984 mit dem Geschäft in der Schiffstraße 2 neben dem Hotel Schwert im Adressbuch aufgeführt wird. Ein lebensgetreuer, bemalter Pferdekopf in Gips wies auf das Geschäft hin.
„An Minet kann ich mich noch gut erinnern, als er im Rastatter Schlachthof am Ende der Augustastraße zum Pferde schlachten kam“, erinnert sich der damalige Lehrling Karl-Josef Fritz. Schon damals ging es streng mit der Fleischbeschau vor und nach dem Töten des Tieres zu. Der Rastatter Schlachthof wurde 1982 abgerissen und machte einem Seniorenwohnheim Platz. Karl-Josef Fritz: „Zunächst will ich  mit einem Schlachthaus Rastatt_webIrrglauben aufräumen: das Pferd hätte keine Nieren. Stimmt nicht, aber dafür keine Galle.“Pferdefleisch war in der Stadt an der Murg sehr begehrt, solange es angeboten wurde. Gerade Angehörige der französischen Garnison waren Hauptkunden und bei den wenigen Öffnungszeiten bildeten sich oft Schlangen vor der Tür. Begehrt waren neben Steaks, Würste(Salami und Krakauer). Dazu Karl-Josef Fritz. „Pferde haben
ein mageres Fleisch.“ Was das doch vorhandene, geschmeidige Pferdefett betrifft, so ging vieles bei hohem Erlös an die kosmetische Industrie, um sich dann in Lippenstiften, Salben und Cremes wieder zu finden.
Die Schlachtpferde kamen aus dem Umkreis Rastatts und von Reitvereinen. Man kam oft den Pferdehändlern zuvor, welche Pferde nach Frankreich, Irland und Italien verkauften und ersparte so den Tieren den langen Transport.
Über ein besonderes Kapitel, was die Pferdemetzgerei betrifft, weiß Karl-Josef Fritz auch zu berichten, das Iffezheimer Rennen betreffend.  Früher gab es noch ein extrem langes Jagdrennen, das neben Hindernissen auch über den Kapellenbuckel führte. Da gab es zahlreiche Ausfälle und Brüche. Pferdemetzger Minet stand während der Rennen mit seinem Anhänger parat, bis sein Handeln gefordert war. „Es kam auch vor, dass er das blutige Geschäft vor den vollbesetzten Tribünen erledigen musste“, fügt Karl-Josef Fritz an. Erst in den siebziger Jahren wurde das Verfahren verändert. Ein Tierarzt verabreichte eine entsprechende Spritze und dastote Tier wurde einer Abdeckerei zugeführt.
Wer heute nicht auf Pferdefleisch verzichten will, der hat eine Möglichkeit in Speyer, wo es eine große Pferdemetzgerei gibt.

Bilder: Bis anfangs der achtziger Jahre gab es das Schlachthaus in der Rastatter Augustastraße, wo auch Pferde geschlachtet wurden. Das eine Bild zeigt das

Schlachthaus in der Frühzeit und das andere Pferdemetzger Josef Minet (rechts) vor Schlachtvieh.
Foto/Repro/Text: Wollenschneider
17:13 01.03.2013

.

.

© Historischer Verein Rastatt e.V.
Web Design. Reiner Schulz