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BNN vom 8. September 2009

Hilberthof_web

 
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M.Walter       Unbestritten zahlt das markante Wohn-und Geschäftshaus an der Bahnhofstraße/ Ecke Ludwigring zu den auffälligsten Gebäude der 1980er- Jahre-Architektur im Stadtgebiet. Vor 25 Jahren fand der Spatenstich zu diesem „Mammut-Vorhaben" statt, wie die BNN im September 1984 berichteten. Das 40 Millionen Mark teure Bauvorhaben vis-ä-vis des Karlsruher Tores setzte in der Tat neue Akzente in der Bahnhofstraße. Bauunternehmer Herbert Weißenburger, beziehungsweise dessen Firma „Gewerbe- und Wohnbau" hatte bereits Ende 1980 den historischen Hubert -hof in Rahmen einer Zwangsversteigerung erwerben können.
        Namensgeber des ehemaligen Festungsgebäude war die Bekleidungsfirma Hilbert. Diese war 1872 noch zu Festungszeiten als Uniformschneiderei und Militäreffektenhandlung von Fridolin Hilbert gegründet worden. Die Firma zog in den 1920er Jahren in das ehemalige Festungsgebäude um, das früher Teil der Karlsruher-Tor-Kaserne gewesen war. Im April 1962 wurde in zwei großen Räumen des Hilberthofs das „Centro Italiano" eingerichtet, das dort bis 1968 Bestand hatte. Noch 1980 waren dort 73 türkische Gastarbeiter untergebracht, für die ein neues Zuhause gefunden werden musste. Daneben befanden sich immer noch einige Gewerbebetriebe in den alten Mauern.
      Der Abbruch des „bombensicher" ausgelegten Festungsgetaäudes geriet dann auch zu einer recht komplexen Baumaßnahme, die viele Rastatter über Wochen hinweg an die Abbruch Baustelle lockte. Unvergessen sind die ersten - vergeblichen - Sprengversuche, die deutlich machten, wie solide das Gebäude einst errichtet worden war.
      Im Vorfeld des Spatenstichs waren durchweg einige Hürden zu überwinden gewesen. Die Planungen wurden mehrfach überarbeitet. Ebenso geriet die Änderung der Verkehrsführung zu einer arbeitsintensiven Aufgabe. Der Ludwigring wurde verbreitert, so dass auch für den Gegenverkehr eine zweispurigen Fahrbahn geschaffen werden konnte. Im Gegenzug wurde das Kopfstück der Rauentaler Straße zu einer verkehrsberuhigten Fußgängerzone, beziehungsweise wurde Zufahrt für die Brauerei Franz und für die Tiefgarage des neuen Hilberthofes. Vorgesehen war von Beginn an ein großer Lebensrnittelmarkt, daneben sollte mehrere kleinere Einzelhandelsgeschäfte für Leben im Erdgeschoss des neuen Hilberthofs sorgen.
Insgesamt umfassten die Gewerbeflächen in der Planung des Architekten Pfisterer rund 5 000 Quadratmeter. 83 Wohnungen unterschiedlicher Größe sowie 200 Tiefgaragenstellplätze waren fester Bestandteil des Vorhabens. Im Bereich der Bahnhofstraße waren die Geschäftseinheiten zweigeschossig geplant.

       Herbert Weißenburger sprach anlässlich der Spatenstichs von „sämtlichen Läden des täglichen Bedarfs", für die der Hilberthof die neue Adresse sein sollte. Als besonderer „An-
Ziehungspunkt" galt die Unterbringung der Rastatter Hauptstelle der Badischen Beamtenbank (die dann auch tatsächlich viele Jahre dort untergebracht war) und der Hauptzweigstelle der Rastatter Bezirkssparkasse. Daneben dachte man an die Unterbringung verschiedener Fachgeschäfte für Bekleidung oder Büroartikel, an ein Reisebüro, eine Apotheke oder eine Buchhandlung.
      Veranschlagt waren rund zwei Jahre an Bauzeit. OB Franz J. Rothenbiller wertete das Vorhaben naturgemäß als Erfolg, er betonte in seiner Ansprache aber auch die Schwierigkeiten im Zuge des Planungs- und Genehmigungsverfahrens: „Wir mussten uns schon einige Gedanken machen, die alle befriedigen." Rothenbiller wünschte sich eine „ruhige Bauzeit" und im Sinne Weißenburgers ein rasches Vorankommen der umfangreichen Bauarbeiten. Die ersten Bagger rückten übrigens dann auch sehr schnell an, im September 1984 war die Baugrube schon zum Teil ausgehoben
.     9.3.2010

Archivfoto bek

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