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Meyer-Margarethenheim 1910_web


Haus Biber“ als Waisenhaus begründet”

     Heute wird im „Haus BIBER“ für Kinder am Leopoldring 4 anerkannte pädagogische Arbeit permanent geleistet. Am 21. April jährt sich nun der Tag, dass mit einem großen Rahmengepräge das damalige Mädchenwaisenhaus, das „Meyer-Margarethen-Kinderheim“, eingeweiht wurde. Bei seinem Regentschaftsantrittsbesuch ließen es sich Großherzog Friedrich II. und seine Gattin Hilda nicht nehmen, die Ehrenbezeugung für eine wichtige soziale Einrichtung vorzunehmen.
       Dabei war alles mit Verzögerung passiert, denn, eingemeißelt in das Portal, findet sich in großer barocker Schrift „1909“ als Einweihungsjahr. Bereits im Jahr 1853 hatte der Rastatter Bankier Franz Simon Meyer zu Ehren seiner Mutter Margarethe ein Kinderheim begründet. Hintergrund war dabei, dass beim Bau der Festung Rastatt nach 1840 mancher Arbeiter ein Mädchen schwängerte. Dazu Meyer in seinen Aufzeichnungen: „ Die Jugend, vor allem die weibliche, verfiel in einen fast unvorstellbaren moralischen Tiefstand.“
     Nach mehreren Standorten für verwahrloste Kinder, um sie zu „guten, brauchbaren Menschen“ heranzubilden, zog man vom Waisenhaus in der Kapellenstraße an den Leopoldring um. Der lokalen Presse vom April 1910 ist zu entnehmen: „Das neue Heim der Mädchen=Waisen ist prunklos, in einem älteren Bauten Rastatts entsprechenden Barock erbaut.“ Dahinter stand auch der berühmte Regierungsbaumeister Mallebrein, der sich laut Presse vor 100 Jahren, der sich „ ein Denkmal gesetzt“ habe.
Bei einer stolzen Summe in kaiserlichen Zeiten von 94 500 Mark Gesamtkosten, gehörten seit den Bauarbeiten ab 1908 auch zwei Schweine-, Hasen- und Hühnerställe. Maßgeblich war die Rastatter Baufirma Degler aktiv und Zimmermeister Johann Neininger aus der Nachbarschaft sorgte für so manche vorzügliche handwerkliche Arbeit. Zudem gab es vor 100 Jahren in Rastatt schon ein soziales Sponsoring, denn der Herdfabrikant Vetter war dabei, als es um die Basis für zunächst 36 betreute Waisen ging.
      Die präsenten Niederbronner Schwestern konnten nach dem „Läuten des Glöckleins auf dem Türmchens des neuen Waisenhauses“, so die Pressemitteilung, das badische Fürstenpaar begrüßen. Dieses hatte sich zum Antrittsbesuch in der Stadt an der Murg ein enormes Programm aufgeladen. Zu diesem gehörten nach der Bahnfahrt von Karlsruhe und dem Durchschreiten des Ehrenbogens auch das Kennenlernen der neu eingezogenen Hohenzollernfüsiliere, der Besuch der Schlosskirche, des Rathauses, des Knabenwaisenhauses, der städtischen und evangelischen Kinderschule, sowie des Frauenvereins.
      Beim Festakt im Meyer-Margarethen-Waisen-haus vor 100 Jahren war Heile-Welt-Stimmung für das fürstliche Paar angesagt. So trugen drei Waisenkinder Gedichte vor, laut Presse: „Wirklich ein schönes Bildchen.“ Unter dem Läuten der Glocken und dem belegten Jubel der Bevölkerung verließ das Fürstenpaar nach einem ausgefüllten Tag Rastatt.

Text und Repro: Wollenschneider

 05.05.2010
 

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