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Wie die „Schließbrücke“ zu ihrem Namen kam


Untere Stauschleusenbrücke Murg_web

In Rastatt trägt sie den Namen „Schließbrücke“ und überquert die Murg bei der Straße „An der Friedrichsfeste“. Derzeit ist sie aus statischen Gründen für PKW gesperrt und müsste eigentlich den Namen „Untere Stauschleusenbrücke“ tragen. Zu Rastatter Festungszeiten zwischen 1850 bis 1890 konnte an der Brücke die Murg gestaut werden und das Wasser floss in die trockenen Wallgräben der Friedrichsfeste und des sogenannten „Mittleren Anschlusses“.
Obwohl es mehrere Ansichtspostkarten mit dem Motiv der Stauschleusenbrücke greifbar sind, gibt eine zum ursprünglichen Zustand mehr Aufschluss. Das Motiv wurde um 1900 vom Verlag Hans Fellner herausgegeben. Handkoloriert ist zu erkennen, dass die „Schließbrücke“ fünf Brückenpfeiler hatte. Ähnlich der Badener Brücke wurden 1902 zwei Pfeiler entfernt, um den Durchfluss der Murg bei hohem Wasserstand zu erhöhen. Dramatisch ging es bei den Entfernungsarbeiten zu, als eine benutzte Dampfaufzugsmaschine in die Murg fiel und sich die Arbeiter gerade noch retten konnten. Erkennbar ist auch eines der beiden Gittertore, die geschlossen wurden, wenn der Schleusungsvorgang lief. Zudem zeigt die seltene Ansichtspostkarte auf der rechten Seite das ehemalige Schlachthaus.
Zu sehen sind auf der Karte mit der „Unteren Stauschleusenbrücke“ auch die Bohlen auf der Brücke. Diese wurden im Bedarfsfall entfernt, um mittels Aufzügen, Balken in die vorgesehenen Nuten in den Brückenpfeilern einzuführen. Um den Wasserdruck noch abzumildern konnten zwischen den beiden Balkenwänden, Sandsäcke eingefügt werden. Stauversuche gab es belegbar in den Jahren 1852, 1856 bis 1859. Ein unerwünschter Nebeneffekt dabei war, dass es in der Rastatter Innenstadt zu Überschwemmungen kam und mancher Vorratskeller unter Wasser stand.
Während bei hohem Wasserstand innerhalb weniger Stunden die Gräben gefüllt werden konnten, dauerte es im Juli 1856 über vier Tage. Beim letzten Stauversuch 1859 musste man feststellen, dass man nach sechs Tagen noch immer nicht die notwendige Wasserhöhe erreicht hatte.
Um die Situation mit der Stauung der Murg zu verbessern wurde zwischen 1861 und 1863 die „Obere Stauschleusenbrücke“ gebaut. Die „Franzbrücke“, wie sie heute genannt wird, beendete die Überschwemmungsmisere. Unterirdische Kanäle füllten die Gräben. Zudem wurde eine bisher noch nicht vorhandene Verbindung zwischen der Ludwigsfeste und dem „Oberen Anschluss“ geschaffen.

Bild: Eine seltene Ansichtspostkarte gibt optischen Aufschluss darüber, wie es ursprünglich um die Funktion der „Schließbrücke“, eigentlich „Untere Stauschleusenbrücke“, an der Friedrichsfeste stand.
Archivbild: Wollenschneider
16:41 01.03.2013

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