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6 Abriss Zeughaus Rastatt_web


 Wer heute an der Kreuzung Carl-Schurz- und Zeughausstraße in Rastatt vorbeikommt, der sei an die Festungsvergangenheit der Stadt an der Murg erinnert. Während schon viel über Schurz, den Flüchtling aus der belagerten Bastion 1849 und dem späteren Innenminister der USA berichtet wurde, so blieb die Bedeutung des Zeughauses weitgehend im Dunkeln.
Eine aus einem Nachlass aufgetauchte, äußerst seltene Aufnahme, erinnert an das Ende des Gebäudes, das über 100 Jahre (gegenüber der heutigen Volksbank Hauptstelle am Ende der Kaiserstraße) zum Stadtbild gehörte. Zeughäuser waren vom Mittelalter her, Depots und Rüstkammern, in denen militärische Ausrüstungsgegenstände gelagert wurde. Später, so auch in Rastatt, gehörten entsprechende Werkstätten dazu. Berühmt sind die Zeughäuser im Tower von London, im Moskauer Kreml oder auch in Dresden.
Das Rastatter Zeughaus wurde relativ spät nach dem Bau der Bundesfestung zwischen 1862 und 1864 an der Ecke der heutigen Kinkel-/Carl-Schurz-Straße unter der Bauleitung des Hauptmanns Crusiz erbaut. In der Nachbarschaft befand sich ein „bombensicheres“ Artilleriedepot und die berüchtigte Bastion 20.
Diese bekam traurige Berühmtheit dadurch, dass sie in der Nachbarschaft des Zeughauses schon um 1850 als, was die Haftbedingungen betraf, als unmenschliches Gefängnis diente. Dieses belegen die erhaltenen, authentischen Aufzeichnungen des inhaftierten Georg A. Hillengass. Er berichtet in seinem Tagebuch von Hieben, Prügel und Dunkelarrest.
Auch später wurde das Areal des Zeughauses zu Inhaftierungen genutzt. So 1870 für die Aufnahme von zirka 15 000 französischer gefangener Soldaten des eroberten Straßburgs und dann wieder nach 1914 erneut. Im Ersten Weltkrieg waren viele französische Zivilgefangene dort inhaftiert. Was enorm für damals war, die belegbare, organisierte Lagerinfrastruktur.
Jedenfalls die aufgetauchte Aufnahme mit dem laufenden Abriss des Rastatter Zeughauses, wohl anfangs der siebziger Jahre, belegt, wie interessante Gebäude aus Rastatts Festungszeit Stück für Stück geschleift wurden.
Rainer Wollenschneider - ras
Bild: Eine seltene Aufnahme hat den Abriss des Rastatter Zeughauses festgehalten, das einer Straße bis heute den Namen gab.
Foto-Archiv: Wollenschneider
16:39 01.03.2013

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